Grundlagen

Die Brachytherapie ist eine Form von Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist eine wichtige Methode zur Behandlung von Krebs. Sie zerstört Krebszellen, indem sie die Zellen mit Strahlung angreift und verhindert, dass sie sich teilen und wachsen. Ungefähr 4 von 10 Krebspatienten erhalten im Rahmen ihrer Behandlung eine Strahlentherapie.

Die Brachytherapie ist eine Art Strahlentherapie, die zur Behandlung vieler Krebsarten eingesetzt werden kann. Neben der Niedrig-Dosis (LDR)-Brachytherapie existiert auch eine Hoch-Dosis (HDR)-Brachytherapie, wo keine Implantation von Seeds erfolgt. Sie besitzt eine andere Indikation und wird zahlenmäßig seltener angewendet. Bei Prostatakrebs wird die LDR-Brachytherapie international seit Ende der 1980iger Jahre am häufigsten durchgeführt. Sie wird auch als „interne Strahlentherapie“ oder als „Implantation von Seeds“ bei Prostatakrebs bezeichnet. 

Arten der Strahlentherapie

Es gibt zwei grundlegende Arten der Strahlentherapie:

  • Externe Strahlentherapie (EBRT)
  • Brachytherapie

Die EBRT liefert Strahlung von außerhalb des Körpers. Die Brachytherapie zielt genau auf den Krebstumor in der Prostata ab, da sich die Strahlungsquelle direkt innerhalb der Prostata befindet. Dieser fokussierte Ansatz verringert das Risiko unnötiger Schäden an gesundem Gewebe und Organen in der Nähe des Tumors und verringert so mögliche Nebenwirkungen.

Wie funktioniert die Prostata-Brachytherapie?

Medizinisch-technisch hat sich die Brachytherapie seit den 1980er Jahren rasant fortentwickelt und befindet sich heute dank modernster Ultraschall- und Röntgentechnik sowie einer computergestützten Planung auf höchstem technischen Niveau. Der Ablauf dieser Behandlung ist sehr komplex. Vor der Implantation wird ein Strahlenplan erstellt. In unserem Zentrum erfolgt die planimetrische (zweidimensionale) Vermessung der Prostata während der eigentlichen OP in einem real-time-Verfahren und nicht wie in anderen Einrichtungen am Vortag. Diese Methode hat die Präzision des Verfahrens weiter deutlich verbessert.

Seeds im Vergleich zu 1 Cent

Bei der Brachytherapie werden die Strahlungsquellen (Seeds) direkt in der Prostata platziert. Seeds sind kleinste Metallstifte (Titan, Aluminium und Gold), sind kleiner als Reiskörner und mit dem radioaktiven Isotop Jod-125 angereichert. Die Halbwertszeit von J-125 beträgt 2 Monate, sodass die Prostata von innen über die Dauer von 4 Monaten schonend bestrahlt wird. Die Strahlung kann präzise ausgerichtet werden, um sicherzustellen, dass nur der Tumor die effektivste Dosis erhält, um die Krebszellen abzutöten. 

Real time Strahlenplanung in der Prostata bei Brachytherapie

Vor Beginn der Implantation wird die Prostata mittels Ultraschall gescannt. Die Schichtbilder werden in ein spezielles, computergestütztes Bestrahlungsplanungs­system eingebracht und dort wieder zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt. Auch die umliegenden Organstrukturen werden mit erfasst. Durch die Nutzung einer  speziellen Software wird die Anzahl und die Lokalisation der Seeds berechnet, indem die Strahlenträger zunächst „virtuell“ in der Prostata platziert werden. Diese präzise Art dieser real-time Strahlenplanung garantiert, dass innerhalb der Prostata eine hohe und in den Organen der Umgebung (Mastdarm, Harnröhre, Harnblase) eine niedrige Dosis verabreicht wird. Für eine optimale Wirksamkeit der Brachytherapie muss die Zieldosis in der Prostata bei >165 Gy (Gray=Strahlungseinheiten) erreicht werden.

Schema Implantation Seeds in Prostata

Die Implantation erfolgt über eine Zieleinrichtung (Template) mit hoher Präzision. Im ersten Schritt werden 15-20 Hohlnadeln über den Damm eingebracht, über die dann die Seeds mit einem speziellen Applikator in die Prostata implantiert werden. Im Durchschnitt werden je nach Prostatagröße 50-70 Seeds implantiert. Der ganze Eingriff wird interdisziplinär in Narkose durchgeführt. Neben dem Urologen, der  die Implantation vornimmt, sind für die Dosisplanung und den Strahlenschutz ein Strahlentherapeut und ein Medizinphysiker verantwortlich.

Seeds in Prostata nach Brachytherapie

Die Seeds verbleiben lebenslang in der Prostata und sind in einer Röntgenuntersuchung sichtbar. Die Seeds werden von den bekannten Detektoren wie z.B. am Flughafen nicht erkannt. Nachfolgende Kernspin (MRT)-Untersuchungen sind ohne Einschränkungen möglich. Alle Patienten erhalten nach der Therapie einen Pass, in dem Zeitpunkt der Behandlung, Anzahl der Seeds und die verabreichte Strahlendosis dokumentiert sind.

Ca. vier Wochen nach der Therapie wird als Qualitätsstandard eine Kontrolle der Seeds-Lage und der Dosisverteilung anhand eines CT‘s erstellt. Langfristig wird eine Tumornachsorge hauptsächlich mittels PSA-Kontrollen durchgeführt.